Die Zeit drängt – eine Lehrstunde von einem Meister der Lebenskunst


FB-sohnEs ist kurz vor Ladenschluss. Ich möchte mit meinem 2-jährigen Sohn Matteo noch schnell Lebensmittel einkaufen. In Windeseile treffe ich alle Vorbereitungen für unseren kleinen Ausflug. Doch mein Sohn hat andere Pläne. Und jeder der Kinder hat weiß, wenn Kinder andere Pläne haben, dann heißt es Ruhe bewahren.

Ich gehe aus Protest

„Wenn Du es eilig hast, dann mache einen Umweg.“, sagt ein altes japanisches Sprichwort. Und genau das hat sich mein Sohnemann zu Herzen genommen. Der Start war alles andere als gelungen. Die Schuhe wollte er nicht anziehen – wozu auch, es ist immerhin April. Und eine Jacke ist sowieso überflüssig bei Wind und 7C Grad. Nach einer kleinen Raufhandlung (unter Einhaltung der Genfer Konvention) und einer kleinen Bestechung mittels Milchschnitte waren wir dann soweit – Schuhe an, Jacke an und den kleinen Mann in den Kinderwagen gehievt. Die Zeit drängte, wir hatten noch 13 Minuten bis Ladenschluss. „Das geht sich aus“, dachte ich mir, „ wir brauchen 5 Minuten für den Fußweg, dann bleiben noch satte acht Minuten für den Einkauf.“ Alles paletti sozusagen. Allerdings durfte ich den Kinderwagen nach lautstarkem Protest und relativ kurzer Distanz leer durch die Gegend schieben, während mein Sohn in aller Ruhe begann, die Welt zu erkunden – eine Blume dort, ein Kieselstein da und hui schau ein Rasenmäher. Alles zu seiner Zeit. Ich blickte auf die Uhr – uns blieben noch 8 Minuten bis Geschäftsschluss. Schön langsam wurde ich unruhig. Ich atmete kurz durch – der Junge musste zurück in den Kinderwagen, sonst würde es sich nie ausgehen. Doch wie gesagt, der kleine Prinz hatte andere Pläne.

Einatmen, ausatmen und weitergehen

Da ich pro Tag nur ein gewisses Kontingent an Milchschnitten vergeben darf und diese schon aufgebraucht waren, fehlte es mir an Überzeugungskraft. Denn wie gesagt, ich bin ein überzeugter Verfechter der Genfer Konvention. So blieb mir nichts anderes übrig, als gemächlich neben meinem Sohn herzutraben – denn nach Einkaufen war ihm nicht zumute. Ganz ehrlich gesagt, gehört das Einkaufen auch bei mir nicht zu den Lieblingsaktivitäten. So nehme ich diese Niederlage zur Kenntnis und denke kurz darüber nach, was wir sonst zu Abendessen werden. Währenddessen geht Matteo ziel- und zeitlos durch die Gegend und erfreut sich der Welt.

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Hallo Ameise und tschüss Zeit

„Hallo Ameise!“, begrüßt Matteo voll erfreut die kleine Entdeckung, die er gerade gemacht hat. Mit faszinierten Kinderaugen beugt er sich hinunter und beobachtet einfach nur. Und er beobachtet einfach weiter, wie sich die Ameise ihren Weg zwischen Gehsteig und Wiese entlangschlängelt. Alles andere ist in diesem Moment für ihn völlig unbedeutend und nichtig. Im Hier und Jetzt erfreut er sich nur an der Ameise und dem Wunder der Natur. Und ich stehe daneben und erfreue mich über die kleine Entdeckung des Tages. Genauso sollte es sein – unabhängig von Raum und Zeit durch den Tag schlendern und sich an den Kleinigkeiten der Natur erfreuen. Mein Sohn war an diesem Tag ein Lehrmeister der Lebenskunst. Dies wusste auch schon Epikur, der meinte: „Tiere und kleine Kinder sind der Spiegel der Natur.“

Und zum Abendessen gab es dann einfach ein Butterbrot – denn nicht umsonst heißt es Abendbrot.

Und Du? Wie oft erfreust Du Dich an den kleinen Dingen des Lebens?

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Liebe Grüße

Karl

 

 

 

Karl

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Über Lebenskünstler

Hi, ich bin Karl, bekennender Veränderungsexistenzialist. Hier dreht sich alles rund um die Lebensveränderung, für ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben. Ich begebe mich in diesem Blog auf die Suche, um die Feinde der Veränderung aufzuspüren. Denn wer seine Feinde kennt, hat den ersten Schritt zur Transformation schon getan. Vielleicht findest du den nötigen Impuls, um deinen Prozess der Veränderung zu starten. Lass dich inspirieren und mach mit. Denn das Leben ist viel zu kostbar, um es gelangweilt vor dem Fernseher zu verbringen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

5 Comments

  1. […] Kinder und unsere eigene Kindheit sind eine gute Richtschnur für mehr Lebensqualität und eine Portion mehr Lebenskunst im Alltag. Genau deshalb tut es auch gut, sich hin und wieder auf die Werte seiner Kindheit zu besinnen, um die Freuden des Lebens wieder besser zu spüren und mit mehr Spaß durch den Alltag zu flanieren. […]

  2. Veröffentlich von Bettina am 14. Juni 2016 um 22:27

    den Artikel kannte ich schon………trotzdem, wieder gerne gelesen

    ich musste wieder herzlich lachen, als ich mir den kleinen Matteo so vorstellte, wie er die Ameise betrachtete und der Papa nur zuschauen konnte

    ob ich die Geschichte beim nächsten Mal erzähle, wenn ich wieder zu spät komme 😉

    lg Bettina

  3. […] nur einen kleinen Hacken, 60 Stunden Arbeit in der Woche waren angesagt. Zeit für meinen größten Lehrmeister der Lebenskunst – Sohnemann Matteo – war leider nur mehr sehr wenig. Und dies ging mir mit der Zeit dann […]

  4. […] Kinder und unsere eigene Kindheit sind eine gute Richtschnur für mehr Lebensqualität und eine Portion mehr Lebenskunst im Alltag. Genau deshalb tut es auch gut, sich hin und wieder auf die Werte seiner Kindheit zu besinnen, um die Freuden des Lebens wieder besser zu spüren und mit mehr Spaß durch den Alltag zu flanieren. […]

  5. […] des normalen Urlaubstohuwabohu sitzt der kleine Meister des Genusses, der Gelassenheit und Achtsamkeit und lässt mit stoischer Ruhe das Treiben an ihm vorbeiziehen. In der linken Hand hält er sein Eis […]

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